Pränataldiagnostik: Eine Lebens-Entscheidung
Die Folge ist Teil des Podcasts „Die neue Norm“, der sich Themen von Inklusion, Vielfalt und dem Leben mit Behinderung widmet. In dieser Folge geht es um Pränataldiagnostik (PND). Dafür haben sich die Hosts Karina Sturm, Jonas Karpa und Raúl Krauthausen als Gästin Lisa eingeladen, die ein 5-jähriges Kind mit Behinderung hat. Lisa erzählt von ihrer Geschichte: Wie sie erfahren hat, dass ihr Kind eine Behinderung hat und wie schwierig es war, Kontakt zu Beratungsstellen und Betroffenen zu bekommen, für die nicht die Frage „Abtreibung oder nicht“ im Vordergrund stand. Ihr ging es um einen Erfahrungsaustausch mit anderen Eltern. Hilfreich waren für sie Facebook-Gruppen und das Forum „Weitertragen“.
Lisa berichtet auch von den starken Reaktionen aus ihrem persönlichen Umfeld, als sie sich gegen einen Schwangerschaftsabbruch entschied und dem Druck, dem sie sich als werdende Mutter ausgesetzt sah. Daher sieht sie es auch als ihre Aufgabe an, anderen Eltern Mut zu machen und sie zu bestärken, dass sie in ihre Aufgabe schon hineinwachsen werden. Sie empfiehlt betroffenen Eltern, den Kontakt zu Eltern mit Kindern mit Behinderung zu suchen und sich mit Selbsthilfegruppen zu vernetzen.
Auch die Rechtslage bzw. die aktuelle Auslegung der Rechtslage und die derzeitige Anwendung des nicht invasive Pränataltests (NIPT) als Kassenleistung werden thematisiert. Die Gesprächsteilnehmer*innen sprechen auch darüber, wie die Welt aussehen würde, wenn Pränataldiagnostik zur Norm werden würde — und wie es die Gesellschaft bereichern würde, wenn behinderte Menschen im Alltag sichtbarer wären.
Gleichzeitig wird im Podcast das Recht auf eine freie Entscheidung über das Austragen oder Abbrechen einer Schwangerschaft verteidigt, wobei die Kritik an selektiven Abtreibungen und dem gesellschaftlichen Druck, dem Schwangere ausgesetzt sind, erhalten bleibt.
Die Folge ist Teil des Podcasts „Die neue Norm“. Auf der Website findet ihr noch das Transkript zur Folge, Zahlen und weitergehende Links zum Thema.
Empfohlene Literatur zur Vertiefung:
- Broschüre "Besondere Umstände. Informationsmaterial für Schwangere nach einem auffälligen Befund in der Pränataldiagnostik" zur Aushändigung an Schwangere nach § 2a Abs. 1 SchKG für gynäkologische Fachkräfte.
- Gisela Bock (2018): „Zwangssterilisation im Nationalsozialismus. Studien zur Rassenpolitik und Geschlechterpolitik“ ist ein Standardwerk zur rassenhygienisch-eugenischen Sterilisationspolitik des Nationalsozialismus, ihre Vorgeschichte in der Weimarer Republik und ihre transnationale Verbreitung. Schwerpunkte: ihr Platz in der Rassenpolitik des "Dritten Reichs" und ihre Bedeutung für die Geschlechterbeziehungen. Online kostenlos verfügbar via refubium.fu-berlin.de.