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Kinder ja oder nee? Für mehr Reproduktive Gerechtigkeit

Familienplanung ist ein Menschenrecht und somit auch Teil reproduktiver Gerechtigkeit: Können alle Menschen Kinder haben, die welche wollen? Dürfen alle Menschen, die keine Kinder möchten, auch danach leben? Und wenn Kinder da sind, wird dafür gesorgt, dass sie in einem sicheren Umfeld aufwachsen?
Während es beim Podcast Feminismus mit Vorsatz in Folge 19 vor allem um das Verneinen der Kinderfrage ging, spricht Host Laura Vorsatz mit Derya Binışık vom Gunda-Werner-Institut in dieser Folge über reproduktive Gerechtigkeit und beleuchtet dabei strukturelle Diskriminierung, die es manchen Menschen erschwert oder unmöglich macht Eltern zu werden. Es geht also um Personen, die sich für Kinder entscheiden und ihre (politischen) Hürden. Zu diesen Hürden zählen auch Politiken, die zum Beispiel den Familiennachzug für Geflüchtete erschweren oder Diskriminierung im Gesundheitssystem z.B. gegen schwangere Transmänner. Auch Gewalterfahrungen von Menschen, die gebären, werden thematisiert und in den Kontext des gesellschaftlichen Tabus gesetzt über eigene Geburtserfahrungen zu sprechen.
Die Gesprächspartner*innen betonen, dass auch das kapitalistische System und das Prinzip der Leistungsgesellschaft darauf beruhen, dass Kinder, also in dieser Logik zukünftige Arbeitskräfte, umsonst großgezogen werden. Unbezahlte Care-Arbeit von Eltern entlaste somit auch den Staat. Diese geht mit unerreichbaren Mutterschaftsidealen einher, wobei von „Selbstausbeutung aus Liebe“ gesprochen wird und davon, dass diese Ideale noch aus der Nazi-Zeit stammen. 
Die Thematisierung der Belastung durch unbezahlte Care-Arbeit und vergeschlechtlichte Arbeitsteilung führt in der Folge auch zu der Frage nach feministischer Vaterschaft. Eine Auseinandersetzung mit Vaterschaft im Sinne kritischer Männlichkeit sei nötig – darum geht es auch in der 10. und 11. Folge des Podcasts. Paare, die überlegen gemeinsam Kinder großzuziehen, können zudem Beratungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen. 
Es geht in der Folge außerdem zentral um das normativ aufgeladene Konzept der Kernfamilie, welches die Elternschaft unattraktiv machen und andere Formen von Elternschaft wie Co-Parenting oder queere Mehrelternschaft unsichtbar machen kann. Erklärt wird, dass die Idee der Kernfamilie sich im 19. Jahrhundert entwickelt hat und auch zum Erhalt der Nation eingesetzt wurde und wird. 
Die Folge diskutiert, ob dafür gesorgt wird, dass Kinder in einem sicheren Umfeld aufwachsen können, und welche Barrieren es für Menschen gibt, die Eltern werden möchten. Im Zentrum stehen dabei letztlich Aushandlungsprozesse zu der Frage, wie wir leben wollen – das verdeutlicht, wie politisch die Frage nach dem Eltern-Werden und -Sein ist.

Sollte die Podcastfolge oben nicht richtig angezeigt werden, geht es hier zur Folge

 

Bemerkungen

Diese Folge ist Teil der Trilogie zu Reproduktiver Gerechtigkeit, die der Podcast „Feminismus mit Vorsatz“ in Kooperation mit dem „Gunda-Werner-Institut der Heinrich-Böll Stiftung“ durchgeführt hat.

Weitere Informationen zum Thema Familienplanung gibt es hier.

 

Weiterführende Literatur

Mareice Kaiser – Das Unwohlsein der modernen Mutter

Lisa Malich – The Mamas and the Papas

Orna Donath – regretting motherhood

Sheila Heti – Mutterschaft

 

Didaktische Hinweise

In dieser Folge geht es um Diskriminierung und auch um Gewalt unter der Geburt.