Black History Month

Der Black History Month feiert weltweit die Errungenschaften Schwarzer Menschen. In Deutschland und den USA wird er jeden Februar gefeiert, während er in Großbritannien im Oktober stattfindet. Seinen Ursprung hat er in den USA, wo der Black History Month (alternativ: African American History Month) offiziell seit 1976 die zentrale Rolle von Afroamerikaner*innen in der US-Geschichte anerkennt. Nach dem amerikanischen Bürger*innenkrieg wurde 1865 die Sklaverei in den USA abgeschafft. Dennoch war das kein Ende von Rassismen in den USA. Carter G. Woodson und Jesse E. Moorland gründeten daher die Association for the Study of Negro Life and History (ASNLH, mittlerweile: Association for the Study of African American Life and History, ASALH), die sich der Forschung und Förderung von Afroamerikaner*innen und Menschen mit afrikanischem Hintergrund widmet. Das Event entstand aus der "Negro History Week", die von Woodson gemeinsam mit anderen wichtigen Afroamerikaner*innen 1926 ins Leben gerufen wurde. Es wurde in den Februar gelegt, um die Geburtstage von Abraham Lincoln und Frederick Douglass zu feiern. Die Bürger*innenrechtsbewegung in den 1960ern sorgte u. a. auch für die Umbenennung in den Black History Month.

In Deutschland wird der Black History Month schon seit 1990 gefeiert. Er wurde erstmals von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V. (ISD) organisiert. Trotzdem liegt der Fokus häufig noch auf dem amerikanischen Kontext. Es wird außer Acht gelassen, dass Schwarze Menschen in Deutschland eine lange Geschichte haben und auch hier die Errungenschaften Schwarzer Menschen, der Widerstand gegen Kolonialismus und Rassismus Anerkennung verdienen. In Schulbüchern fällt das Wort Kolonialismus noch selten und weder im Geschichts- noch Deutschunterricht kommen Menschen wie der Philosoph Anton Wilhelm Amo oder die Dichterin May Ayim vor. Dabei umgeben uns die Spuren Schwarzer deutscher Geschichte ständig im Alltag, z. B. in Berlin: u. a. das May-Ayim-Ufer, die Gedenktafel zum afroamerikanischen Wissenschaftler W. E. B. Du Bois, der in Berlin lebte, oder ein Bild von 1913 in der U-Bahnhaltestelle Hallesches Tor auf dem Martin Dibobe, Aktivist und erster Schwarzer Lokführer, abgebildet ist.

Schwarze Deutsche Geschichtsschreibung ist geprägt vom Widerstand gegen Kolonialismus, wie der Maji Maji Aufstand gegen deutsche Kolonialherrschaft im heutigen Namibia, sowie dem späteren Widerstand gegen rassistische Fremdbezeichnungen und die Stärkung einer afrodeutschen Gemeinschaft. Schwarze deutsche Emanzipation ist immer verwoben mit feministischen und queeren Kämpfen. Die Afrodeutsche Bewegung wurde stark inspiriert von der Afroamerikanischen Feministin Audre Lorde, die in den 1980er Jahren in Berlin lebte. Mit dem Buch „Farbe bekennen – Afrodeutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte“ revolutionierten May Ayim, Dagmar Schulz, Katharina Oguntoye 1986 das Schwarze deutsche Selbstverständnis. Erstmals veröffentlichten Schwarze Frauen ihre Erfahrungen in Deutschland und initiierten die Selbstbezeichnung Afrodeutsch. Daraufhin gründeten sich neben der ISD auch wichtige Selbstorganisationen wie ADEFRA e. V. – Schwarze Frauen in Deutschland, die bis heute wichtige Arbeit leisten und an jährlichen Feierlichkeiten zum Black History Month beteiligt sind. Die Kämpfe und Errungenschaften Schwarzer Geschichte und Gegenwart in Deutschland verdienen Aufmerksamkeit – auch über die 28 Tage des Februars hinaus.

Veranstaltungshinweise, wie im Rahmen des Black OurStory Month von EOTO, finden sich am Ende dieser Fokusseite.

Einführung

Rosapedia: Was ist der Black History Month?

Schwarze Geschichte ist auch in Deutschland nichts neues, denn sie reicht bis zum Kaiserreich. Der Black History Month erinnert jedes Jahr im Februar an Schwarze Geschichte.

#70 Black History Month – Schwarze Geschichte und weiße Ignoranz? - Lakonisch Elegant

Black History Month in Deutschland? In diesem Podcast kommen weiße und Schwarze Stimmen zusammen, um zu erklären, wieso Schwarze Geschichte über diesen Monat hinaus wichtig ist.

Schwarze Geschichte in Deutschland

May Ayim: Hoffnung im Herz

"Ich werde trotzdem afrikanisch sein - auch wenn ihr mich gerne deutsch haben wollt": Das Porträt einer der wichtigsten Personen der Schwarzen Deutschen Bewegung.

Audre Lorde - The Berlin Years

Audre Lorde - the Berlin Years 1984 to 1992 dokumentiert ein bisher unbekanntes Kapitel aus Lordes Leben: Ihren Einfluss auf die politische und kulturelle Szene in Deutschland in einem Jahrzehnt tiefen sozialen Wandels, das den Mauerfall mit sich brachte.

Afro Germany - being black and German | DW Documentary

Schwarze Menschen sind schon lange Teil deutscher Geschichte und Gesellschaft und dennoch werden sie unsichtbar gemacht. Jana Pareigis reist durch Deutschland und spricht mit Afrodeutschen und Schwarzen Menschen über ihre Lebensrealitäten.

Auf den Spuren Schwarzer deutscher Geschichte || PULS Reportage

Natasha A. Kelly und Nadine Hadad begeben sich auf Spurensuche nach Schwarzer deutscher Geschichte und besuchen Orte, die den Widerstand und die lange Geschichte afrodeutscher Menschen verewigten.

Was ist Anti-Blackness? Gedanken zum Wesen eines kollektiven Traumas

Anti-Schwarzsein hat eine lange globale Geschichte, die von weißer Versklavung und Kolonisierung bis in die Gegenwart reicht, auch in Deutschland. Peggy Piesche verortet die aktuellen BLM-Proteste in diesem Zusammenhang und zeigt an einem Praxisbeispiel die strukturellen und alltäglichen Dimensionen von Anti-Schwarzsein auf. Artikel von Peggy Piesche vom 26. Juni 2020.

Kolonialismus, Rassismus und Wissenschaft

Natasha A. Kelly über Kolonialismus, Rassismus & Afrodeutsche - Jung & Naiv: Folge 494

Im öffentlichen Diskurs geht das Thema Rassismus oft nicht über diese Frage hinaus: „Gibt es Rassismus in Deutschland?“. Natasha A. Kelly erklärt, welche Fragen wirklich gestellt werden müssen. 

EXIT RACISM - rassismuskritisch denken lernen

In Kapitel 5 wird die Schwarze Geschichte im deutschen Kontext behandelt und zeigt, wie diese aus deutschen Geschichtsbüchern ausgelassen wird. Thematisiert werden u.a. deutscher Kolonialismus in Afrika und Begriffe wie "Maafa".

Emanzipationsdampfmaschine Kolonialismus. Nicht in unserem Namen.

Während wieder über Ostdeutschland und Mauerfall gesprochen wird, macht der aktuelle Zwischenruf auf die (post-)kolonialen Verbrechen Deutschlands in Namibia aufmerksam. Ein Thema, das auch "uns" Feminist*innen angeht. Artikel von Katrin Köppert vom 14. Februar 2018​.

 

Wo sind in Europa die Schwarzen Professorinnen?

Auch auf akademischer Ebene fehlt es an BPoC, die Intersektionalität und Wissenschaft kritisch lehren und auch repräsentieren können. Artikel von Prof. Dr. Iyiola Solanke vom 24. Mai 2019.

 

Die Proteste von 1968 erinnern uns an die politischen Kämpfe, die feministische und linke Bewegungen bis heute prägen. Der dominanten Geschichtserzählung von Freiheit, Rebellion und grenzüberschreitender Solidarität setzen wir weibliche, queere, Schwarze und (post-)migrantische Perspektiven entgegen, die Lücken im Diskurs schließen.

Schönheitsideale

"Afro zu tragen, ist ein Akt des Widerstands"

"Darf ich mal anfassen?" Die Stigmatisierung und Entmenschlichung Schwarzer Frauen hat eine lange Geschichte und zeigt sich im Alltag. Das bewusste Tragen von Afrohaaren wird zum Widerstand gegen weiße Schönheitsideale.

Dark-Skinned Girls On Colourism | Sister

Was ist Colorism? Drei dark-skinned Frauen sprechen über schmerzhaften Erfahrungen mit Colorism innerhalb der eigenen Community. 

Schwarz und Queer

Paris Is Burning

Der Dokumentarfilm Paris Is Burning von Jennie Livingston zeigt die Ballroom Culture in New York City in den 1980er Jahren und gilt als eines der einflussreichsten Zeitzeugnisse der Schwulen- und Transgenderszene sowie der afroamerikanischen und Latino-Community. Der Film behandelt auch die Ursprünge des "Voguing", das eine eigene Kategorie bei den Bällen hat.

Ep. 4 Queer und Schwarz

Was bedeutet es Schwarz und queer zu sein? Warum haben viele Schwarze Menschen das Gefühl, sie müssen sich zwischen Schwarz-sein oder Queer-sein entscheiden?

50 Jahre Entpolitisierung?

Der Christopher Street Day, der am 27. Juli in Berlin mit einer Parade und zahlreichen Partys gefeiert wird, stellt häufig eine entpolitisierte Geschichte dar.​ Feministischer Augenblick vom 29. Juli 2019.

Dossier

Intersektionalität

Intersektionalität ist ein unerlässlicher Begriff um das Zusammenspiel unterschiedlicher Unterdrückungsformen zu beschreiben.

Schwarze Geschichte in den USA

Self Made: Das Leben von Madam C.J. Walker

Wer war eigentlich Madam C.J. Walker? Die vierteilige Miniserie erzählt die Geschichte einer Schwarzen Frau, die eine der ersten Selfmade-Millionärinnen der USA überhaupt war.

 

Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen

Der Film erzählt die Geschichte von einer Gruppe afroamerikanischer weiblicher Mathegenies, die die erste Erdumkreisung mit Menschen an Bord von der NASA maßgeblich ermöglichen. 

The Seeds of Abolition

While millions protested the murder of George Floyd and racist police brutality all over the world, there has been a lack of acknowledgement of the injustices towards Black women, and of their leading roles in social movements. Edna Bonhomme analyses the significance of Black women within social movements throughout history until today. Article by Edna Bonhomme from 13 August 2020.

Crossroads and burning houses – why feminism cannot be colour-blind

White feminist discourses often obscure gendered and racialised lines of belonging and struggle specific to the vulnerabilities of Black women. The murder of Breonna Taylor highlights why feminism cannot be colour-blind. Article by Miriam Emefa Dzah from 27 July 2020.

Weiterführendes

Maisha Maureen Eggers über Kinderbücher und Empowerment

Welche Rolle haben Kinderbücher in der Diskriminierungskritik? Wie können sie Empowerment schaffen und Handlungsräume schaffen?  

Panels for the BIPoC Climate Justice Conference

Intersektionaler Klimaaktivismus ist keine Neuheit – die Geschichtsschreibung indigener Klimaaktivist*innen ist so alt wie der Kolonialismus.

Videoprojekte aus macht- und rassismuskritischer Perspektive

Eine Handlungsempfehlung für pädagogische Fach- und Lehrkräfte in der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit

Zum PDF