Ist die Debatte zur Leihmutterschaft zu moralisch? | Auf den Punkt
In diesem Beitrag geht es um die gesellschaftliche und politische Debatte über Leihmutterschaft in Deutschland. Anlass ist die Vaterschaft des CDU-Politikers Jens Spahn und die daraus entstandene Kontroverse, durch die auch die Frage einer künftigen Regelung wieder in den Fokus gerückt ist. Der Beitrag fragt, ob die Diskussion zu stark von moralischen Bewertungen geprägt ist und dadurch eine sachliche Auseinandersetzung erschwert. Dazu spricht Johannes Korsche mit der Rechtswissenschaftlerin Friederike Wapler von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, die 2024 als Mitglied der Regierungskommission zur reproduktiven Selbstbestimmung das Thema Leihmutterschaft koordinierte. Wapler plädiert dafür, die Debatte anhand konkreter rechtlicher und gesellschaftlicher Fragen statt vorschneller moralischer Bewertung zu führen.
Erläutert wird zunächst, warum Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist und welche rechtlichen Probleme das aufwirft, etwa bei der Zuordnung der Elternschaft nach einer im Ausland durchgeführten Leihmutterschaft – ein Verbot, das solche Auslandsfälle nicht verhindert. Zentral ist die Abwägung der Interessen: Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch, für die Leihmutterschaft oft die einzige Möglichkeit auf ein genetisch verbundenes Kind ist, stehen der austragenden Frau mit ihren körperlichen und persönlichen Belastungen gegenüber – und der Frage, unter welchen Bedingungen ihre Entscheidung wirklich selbstbestimmt sein kann. Diskutiert wird auch die Gefahr der Ausbeutung durch wirtschaftliche Not sowie das Verhältnis von Leihmutter, Wunscheltern und Kind, einschließlich rechtlicher Elternschaft und Kindeswohl.
Der Beitrag macht deutlich: Die Frage einer möglichen Legalisierung lässt sich nicht einfach mit „erlauben" oder „verbieten" beantworten.
Hier geht es vor allem um eine juristische und ordnungspolitische Perspektive, die die Frage von einer möglichen Regelung in den Mittelpunkt stellt und nicht um eine feministische Bewertung von Leihmutterschaft.
Weiterführende Literatur
- Policy Paper: Reproduktive Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin neu denken. Eizellabgabe und Leihschwangerschaft
- Bericht der Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin, Arbeitsgruppe 2: Möglichkeiten zur Legalisierung der Eizellspende und der altruistischen Leihmutterschaft
- Perler, Schurr & Winkel (2026): Atlas der Reproduktion: Babys, Grenzen, Geopolitik.