Wem gehören die Reproduktionsmittel? Der Markt hinter Fortpflanzungstechnologien | Hingehört & nachgefragt
In diesem Beitrag geht es um die ökonomischen Strukturen hinter Fortpflanzungstechnologien: Wer profitiert von der zunehmenden Kommerzialisierung der Reproduktionsmedizin? Anlass ist die deutsche Debatte über eine mögliche Legalisierung der Eizellspende – hier wird nicht nur nach den Bedingungen rechtlicher Erlaubnis gefragt, sondern auch nach den wirtschaftlichen Interessen hinter Kinderwunschkliniken.
Zu Gast ist die Sozialwissenschaftlerin Irina Herb, die in ihrem Promotionsprojekt aus marxistisch-feministischer Perspektive zur politischen Ökonomie assistierter Reproduktionstechnologien forscht. Im Gespräch mit Jonte Lindemann vom Gen-ethischen Netzwerk geht es darum, wie aus dem Kinderwunsch ein Markt entsteht und wer daran verdient. Ausgangspunkt ist die in Deutschland verbotene, aber zur Legalisierung diskutierte Eizellspende. Ein gängiges Argument dafür ist die Idee der altruistischen, unbezahlten Spende – die der Beitrag hinterfragt: Auch ohne Bezahlung der Spenderinnen verdienen andere entlang der Behandlungskette. Im Fokus stehen daher Kinderwunschkliniken und ihre Eigentümerinnen, sowie die zunehmende Finanzialisierung des Sektors: Kliniken werden als Investitionsfeld attraktiv, expandieren, werden aufgekauft – befeuert durch die hohe Zahlungsbereitschaft bei einem so emotionalen Bedürfnis wie dem Kinderwunsch.
Kritisch beleuchtet wird die Rolle der Personen, deren Körper zur zentralen Ressource dieses Marktes werden: Eizellspende bedeutet hormonelle Stimulation und gesundheitliche Risiken. Auch soziale Ungleichheit spielt eine Rolle: Wer es sich leisten kann, nutzt reproduktionsmedizinische Angebote. Wirtschaftlich schlechter gestellte Frauen geraten eher in die Rolle der Eizellspenderin oder Leihschwangeren. Die Vorstellung vom reinen Altruismus, der die Spenderinnen bewegt, muss daher vor dem Hintergrund möglicher Formen von Zwang und strukturellem Druck kritisch hinterfragt werden.
Der Beitrag befasst sich kritisch mit Leihmutterschaft und greift auch den Vergleich zwischen Sexarbeit und Leihschwangerschaft auf.
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Weiterführende Literatur
- Perler, Schurr & Winkel (2026). Atlas der Reproduktion: Babys, Grenzen, Geopolitik.