Leihmutterschaft - der Markt der unendlichen Möglichkeiten?
Amina Nolte, Referentin für reproduktive Gerechtigkeit beim Gunda-Werner-Institut der Heinrich-Böll-Stiftung, macht deutlich, was in der Leihmutterschaftsdebatte im Sommer 2026 rund um Jens Spahn oft untergeht: Leihmutterschaft ist ein umkämpfter globaler Markt in Ländern mit unterschiedlichen gesetzlichen Grundlagen. Ändern sich diese in einem Land, zieht er weiter in ein anderes. Diesen Domino-Effekt zeigt auch der Bericht "Mapping Global Surrogacy" , den Amrita Pande gemeinsam mit Kolleg*innen der Heinrich-Böll-Stiftung veröffentlicht hat.
Darin wird sichtbar, wie groß der Markt der "Schwangerschaft gegen Bezahlung" wirklich ist und wie rasant er wächst. Global vermittelnde Agenturen und Klinikketten dominieren das Geschäft. Leihmütter finden sich überall. Das macht den Markt so bemerkenswert anpassungsfähig.
Auch wenn Leihmutterschaft und Werbung dafür in Deutschland verboten sind, kursieren hierzulande genügend Informationen zum Thema. Auf Messen kann man sich ein Baby quasi zusammenstellen lassen. Trotz enormer Kosten gibt es ausreichend Kund*innen. Über die Leihmütter hingegen gibt es wenig bis gar keine Daten. Warum erklären sich Frauen dazu bereit, für andere ein Kind auszutragen? Und wer wird eigentlich Leihmutter? Die Lücke macht deutlich, welche Ungleichheitsverhältnisse dem Wunsch nach einem genetisch verwandten Baby zugrunde liegen.
Weitere Hintergrundinfos finden sich im Bericht von Amrita Pande "Mapping Global Surrogacy Care Brokers and the Politics of Supply" (November 2025, Heinrich-Böll-Stiftung).