Intersektionalität

Vogelperspektive auf eine Straßenkreuzung bei Nacht

Was ist Intersektionalität?

Intersektionalität kommt von „Intersection”. Das bedeutet im Amerikanischen „Straßenkreuzung”. Diskriminierungen haben häufig unterschiedliche Gründe und Quellen und überlagern sich gegenseitig. Anders gesagt, in der Lebenswirklichkeit vieler Menschen “kreuzen” oder verknoten sich soziale Kategorien wie Gender, Rasse oder Klasse.
Auch bedeuten Behinderungen für People of Color häufig etwas anderes als für anders talentierte Menschen, die als weiß gelesen werden. Die intersektionale Perspektive erlaubt, jene Wechselbeziehungen sozialer Ungleichheiten bzw. von Machtverhältnissen in den Blick zu nehmen. Die Ursprünge des Konzepts der Intersektionalität liegen im Schwarzen Feminismus, der afroamerikanischen Arbeiter*innen-Bewegung und der Critical Race Theory.

In ihrem bahnbrechenden Aufsatz „Demarginalizing the Intersection of Race and Sex“ (1989) entwickelt Kimberlé Crenshaw eine tiefgreifende Kritik an der US-Amerikanischen Antidiskriminierungsrechtsprechung. Weiterlesen: Intersektionalität: eine kurze Einführung

Die von Kimberlé Crenshaw gewählte Metapher der Straßenkreuzung hat mindestens vier Bedeutungsebenen:

  1. die Überschneidung (Kreuzung) von Rassismus und Sexismus als Diskriminierungsprozesse und strukturelle Unterdrückungssysteme
  2. die Positionierung von Schwarzen Frauen sowie anderen marginalisierten und mehrfach diskriminierten Gruppen an diesem Kreuzungspunkt
  3. die Positionierung in der Mitte einer Kreuzung erhöht das Risiko, in einen Unfall verwickelt zu werden. Intersektionalität adressiert damit auch die besonderen Verletzungsrisiken von Schwarzen Frauen und anderen marginalisierten Gruppen, aus der sich eine spezifische Schutzbedürftigkeit ergibt.
  4. Es gibt nicht nur eine Ursache für einen etwaigen Unfall. Entsprechend ist keine eindeutige Schuldzuweisung oder Schuldfeststellung möglich.
Das Konzept richtet den Blick vor allem auf die Art und Weise, wie Rassismus, Patriarchat, Klassenzugehörigkeit sowie andere Systeme der Unterwerfung eine nicht auf den ersten Blick sichtbare Ungleichheit konstruiert, welche die Beziehung von Frauen zu Rasse, Ethnie, Klasse und ähnliches bestimmt. Außerdem spricht es spezifische Handlungen und Politiken an, die Frauen belasten und entlang der genannten Achsen zum Dispowerment, zur Entmachtung führen.
Kimberlé Crenshaw

Intersectionality 101

What is Intersectionality?

Was bedeutet Intersektionalität?

Podcast: FEMINISMUS BACKSTAGE #002: INTERSEKTIONALITÄT

PUBLIKATION: „Reach Everyone on the Planet…“ Kimberlé Crenshaw und die Intersektionalität

30 Jahre Intersektionalität: Echte Kritik oder getarnter Widerstand?

„Oppression Olympics“, spaltend, ungenau, nicht anwendbar - Intersektionalität trifft auf vielfältige Kritik. Welche davon ist konstruktiv, was sind Mythen bar jeder Grundlage? Emilia Roig gibt Antworten. Feministischer Zwischenruf von Dr. Emilia Roig vom 18.06.2019. Mehr...

“Menschen aus der Mitte der Gesellschaft” - Frauen of Color, Intersektionalität und der deutsche Film

Schauspielerin Thelma Buabeng und die Filmemacher*innen Pary El-Qalqili, Zara Zandieh und Biene Pilavcı über ihre Erfahrungen in der deutschen Filmindustrie und ihre Forderungen für mehr Gleichberechtigung, Respekt und Zugänge. Ein Bericht von Canan Turan vom 10.05.2019. Mehr...

Überwachung Intersektional: Geschichtliche Kontinuitäten

Die intersektionale Betrachtung der Überwachung von Frauen und ihren Körpern rückt den Fokus von einzelnen Überwachungstechnologien und- praktiken von Staaten oder Konzernen hin zu den Machtverhältnissen, die Überwachung untermauern. Ein Artikel von Nicole Shephard vom 18.01.2019. Mehr...

Crossroads and burning houses – why feminism cannot be colour-blind

The specific vulnerability faced by Black women cannot be grasped by traditional white feminism. Intersectionality seeks to debunk the universalisation of the female experience of gender overlooking the unique dangers facing intertwined identities. Article by Miriam Emefa Dzah from July 27, 2020. More...

Dossiers des Gunda-Werner-Instituts zu Intersektionalität

Dossier

„Reach Everyone on the Planet…“ Kimberlé Crenshaw und die Intersektionalität

AFRODEUTSCH - SCHWARZER FEMINISMUS IN DEUTSCHLAND

Cover: Farbe bekennen: Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte

Mit dieser Anthologie wurde 1986 der Begriff “afrodeutsch” geprägt – die erste positive Bezeichnung für People of Color in Deutschland.

Hoffnung im Herz – Mündliche Poesie – May Ayim | BRD | 1997 | Deutsch | Dokumentarfilm | 35 min.

Der Film «Hoffnung im Herz» über May Ayim zeigt die Poesie der Schwarzen Frauenbewegung. Die Lyrikerin May Ayim, eine wichtige Figur in der Afrodeutschen Bewegung, war die bekannteste Schwarze Feministin in Deutschland. Ihre Gedichte sprachen aus, was für viele Afrodeutsche Wirklichkeit war (und ist).

Mit der Anthologie „Farbe Bekennen“, die sie zusammen mit Katharina Oguntoye und Dagmar Schultz herausgab, wurde 1986 der Begriff “afrodeutsch” geprägt – die erste positive Bezeichnung für People of Color in Deutschland.

BLACK LIVES MATTER

Im Jahr 2013 begründeten die drei queeren, Schwarzen Frauen Alicia Graza, Patrisse Kahn-Cullors und Opal Tometi  Black Lives Matter in den USA. Aktivist*in Shaheen Wacker erklärt über BLM: "Das Engagement der Gründerinnen [von BLM] ist geprägt von intersektionalen Kämpfen und einem unbeugsamen Drang nach Veränderung. Zwar ist Schwarzsein der gemeinsame Nenner, unter dem sich die Menschen bei Black Lives Matter zusammenfinden, austauschen und Widerstand leisten, jedoch unterscheidet sich die Bewegung in ihrer Politik vor allem dadurch von Schwarzen Bürger*innenrechtsbewegungen der Vergangenheit, dass sowohl Rassismus und White Supremacy als auch dem Patriarchat als auch Kapitalismus und Heteronormativität gleichermaßen der Kampf angesagt wird." Auch in Deutschland hat sich wenige Jahre später die Black Lives Matter (BLM) - Bewegung etabliert, um gegen den allgegenwärtigen Rassismus zu kämpfen. Feministische Aktivist*innen wie Wacker oder Josephine Apraku sind Teil der BLM-Bewegung und führen gemeinsam intersektionale Kämpfe.

Was ist Anti-Blackness? Gedanken zum Wesen eines kollektiven Traumas

Anti-Schwarzsein hat eine lange globale Geschichte, die von weißer Versklavung und Kolonisierung bis in die Gegenwart reicht, auch in Deutschland. Die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Peggy Piesche verortet die aktuellen #BlackLivesMatter-Proteste in diesem Zusammenhang und zeigt an einem Praxisbeispiel die strukturellen und alltäglichen Dimensionen von Anti-Schwarzsein auf. Mehr...

Rassismus-Talk, schon seit 2 Wochen

Ob sich jetzt etwas verändert? Ob weiße Menschen es jetzt in Deutschland hinkriegen, Rassismus als ein strukturelles Problem anzuerkennen, von dem sie Tag ein Tag aus profitieren? Eine Spekulation. Feministischer Zwischenruf von Dr. Ines Kappert vom 08.06.2020. Mehr...

Wegbereiterinnen der Abolition

Gewalt gegen Schwarze Frauen findet nur wenig mediale Beachtung. Und das obwohl sie seit der Sklaverei an vorderster Front für die Abolition kämpfen. Vor diesem Hintergrund analysiert Historikerin Edna Bonhomme die entscheidende und oft unsichtbar gemachte Rolle Schwarzer Frauen innerhalb sozialer Emanzipationsbewegungen – von dem Kampf um die Abschaffung der Sklaverei über die Bürgerrechtsbewegung bis hin zur aktuellen Black Lives Matter-Bewegung. Analyse von Edna Bonhomme vom 21.08.2020. Mehr...